| |
M a s t e r i n g
- e i n E x k u r s
... und ein paar Gedanken zu den Themen "Pegel"
und "Lautheit" ...
Das
beste Rezept für professionelles Mastering lautet
-
ein geeigneter Raum
-
gute Lautsprecher und
-
hochwertige Signalverarbeitungstechnik.
Aber
noch wichtiger sind beim Mastering die Entscheidungen, wenn es darum geht,
das Beste aus einer Aufnahme zu machen: Die Entscheidung zwischen statischer
und dynamischer Entzerrung. Die Entscheidung für die richtige räumliche
Feinabstimmung. Die Entscheidung für das Format, auf das die Produktion
optimiert werden soll. Die Entscheidung für die richtigen Tools. Die
Entscheidung, den Ohren zu vertrauen, anstatt zu versuchen, die aktuelle
Produktion noch lauter klingen zu lassen als irgendeine gerade
veröffentlichte Single - Die Entscheidung für die Musik.
Pegel in digitalen Medien
Bei
der digitalen Produktion wir der Pegel eines Signals üblicherweise Sample
für Sample gemessen. Der größtmögliche Pegel bei der Digitalisierung beträgt
0 dBFS (Dezibel Full Scale oder auch Full Scale Digital, FSD), und es muss
auf jeden Fall verhindert werden, dass mehrere Samples hintereinander diesen
Wert annehmen. Allerdings kann es auf digitaler Ebene sehr wohl Signale
geben, für deren Wiedergabe mehr Headroom erforderlich ist als für eine bis
0 dBFS ausgesteuerte Sinuswelle. Solche Signale bezeichnen wir als »0 dBFS+«,
und wenn sie mit CD-Playern aus dem professionellen oder dem Consumerbereich
wiedergegeben werden, kommt es zu erheblichen Verzerrungen. Viele dieser
Geräte verschlimmern den hörbaren Schaden noch: Sie sperren, und es dauert
eine gewisse Zeit, bis die Verzerrung wieder aufgehoben wird. Das Signal
erzeugt also eine »Verzerrungsfahne«.
Zum Zeitpunkt der Erfindung der Compact Disc wurde in der Regel auf analoge
Bänder gemischt. Beim Mastering wurde das Signal wiederum auf der analogen
Ebene mit Kompressoren und Entzerrern bearbeitet und erst dann
digitalisiert. Der Signalpegel und der Headroom des A/D-Wandlers wurden auf
der digitalen Ebene erfasst. Damals war das Zählen aufeinander folgender
Sample durchaus geeignet, um Verzerrungen zu erkennen, da alle direkt aus
dem A/D-Wandler kommenden Signale dem Sampling-Theorem entsprachen.
Heute haben sich die Produktionsbedingungen geändert. Aber noch immer wird
der Pegel auf die traditionelle Weise gemessen. Die Aufnahmen, die ein
Masteringstudio erhält, sind bereits digitalisiert, und es besteht die
konkrete Möglichkeit, dass sie aufgrund von Clipping oder vorher
eingesetzten, fehlerhaft arbeitenden digitale Prozessoren oder Plug-Ins zu
diesem Zeitpunkt bereits »out of band«-Komponenten enthalten. Hinzu kommt,
dass der Toningenieur im Masteringstudio möglicherweise ganz routiniert zu
seinem eigenen Arsenal »digitaler Waffen« greift – was aber einen Schuss ins
Dunkle bedeutet, da keine Anzeigen zur Verfügung stehen, die über die
mögliche Beschädigung des resultierenden Signals Auskunft geben könnten.
Digitale "Qualitätsvernichtungswaffen"
Da es an Werkzeugen für wirklich intelligente Pegelbegrenzung fehlt, hat
sich das Mastering vom Veredelungsprozess zu einem Rüstungswettlauf um die
größtmögliche Lautheit verwandelt. Dieser Rüstungswettlauf hat inzwischen
eine Stufe erreicht, auf der das Signal nach dem Mastering schon durch die
bloße Weiterleitung und Wiedergabe verzerrt wird, so dass letzten Endes die
Qualität des Produkts und der Hörer leiden. Er bezahlt den vorausgegangenen
Kampf um die größte Lautheit durch frühere Ermüdung seines Gehörs.
Und mögen digitale Signalprozessoren auch vertraute Namen wie »Kompressor«
oder »Limiter« tragen, so lässt sich nicht auszuschließen, dass sie das
Signal auf der digitalen Ebene in einer Weise beeinträchtigen, wie es bei
ihren analogen Vorgängern niemals der Fall gewesen wäre.
Abrüstung im Studio
Nachdem wir bei einer Reihe aktueller CD-Produktionen die Veränderung des
Pegels im Verlauf der Produktion analysiert haben, bleibt festzuhalten, dass
es nicht ein einzelner Produktionsschritt oder ein bestimmtes Gerät ist, das
bei Aufnahme, Abmischung oder Gerät die beschriebenen Probleme verursacht.
Digitale Übersteuerungen können vielmehr an mehreren Stellen im
Produktionsablauf auftreten: In einem Audio-PC (normalerweise am Mix-Bus der
Software oder innerhalb von Plug-Ins), bei verschiedenen Dynamikprozessoren
oder sogar als unerwünschter Ballast in digitalen Klangbibliotheken. Bei
Bassdrums oder Snares mag Clipping sogar als kreatives Stilmittel eingesetzt
werden – aber wenn ein solches Sample dann im weiteren Produktionsverlauf
auf den maximalen Pegel angehoben wird, kommt es zu unvorhergesehenen
Ergebnissen.
Für den abmischenden Toningenieur lautet der Rat einfach: Bim digitalen
Mischen sollten die Pegelspitzen nie höher als -3 dBFS sein; alles andere
ist Sache des Mastering. Als Alternative kann auch analog gemischt werden.
Der für das Mastering verantwortliche Toningenieur befindet sich einer
komplizierteren Situation. Zunächst einmal sollte er die zu masternden
Aufnahmen über eine mit Oversampling arbeitende Anzeige überwachen. Wenn er
dann häufige 0 dBFS+-Pegelspitzen entdeckt, sollte er sie zunächst
entfernen, bevor er andere Eingriffe vornimmt – sogar vor der
Sampleratenkonvertierung. Wenn es darum geht, den Pegel für das endgültige
Master festzulegen, sollten subtilere Werkzeuge als einfache Samplezähler
eingesetzt werden. Mit Oversampling arbeitende Aussteuerungsmesser und
Histogramme sind hierfür geeignet. Ein Limiter auf dem neuesten Stand der
Technik wie der im Mastering 6000 integrierte BrickWall 2 zeigt den 0
dBFS+-Status an und kann Verzerrungen im weiteren Signalfluss vermeiden.
Lautheit
Wissenschaftlichen Gremien haben ein neues, aussagekräftiges Verfahren zur
Messung von Lautheit entwickelt, das sich sowohl für Musik als auch Sprache
eignet und ebenso für die Darstellung wie auch die Kontrolle bei der
Signalbearbeitung eingesetzt werden kann.
Lautheit ist – im Gegensatz zum Signalpegel – eine subjektive und daher
schwieriger zu messende Größe. Dies gilt natürlich in besonderem Maße für
Signale, die sich über die Zeit verändern – wie Musik. Bei der Einschätzung
der Lautheit kommt es selbst innerhalb einer weitgehend homogenen Gruppe von
Zuhörern zu Unterschieden, die wir als »Between Listener Variability« (BLV)
bezeichnen. Bei unterschiedlichem Alter, kulturellen Unterschieden usw. sind
die Varianzen noch deutlicher. Aber auch die Wahrnehmung der Lautheit durch
eine einzelne Person ist in gewissem Rahmen variabel. Hier spielen unter
anderem Aspekte wie Müdigkeit, Stimmungslage und Aufmerksamkeit eine Rolle.
Diese Art der Varianz nennen wir »Within Listener Variability« (WLV).
Ein Messverfahren für Lautheit kann also nur dann einen universellen Wert
haben, wenn es auf umfangreichen, wahrnehmungsbasierten Referenztests und
reproduzierbaren Ergebnissen beruht, die hierfür geeignete statistische
Analysen durchlaufen haben.
Dementsprechend basierenden beispielsweise die Algorithmen von TC nun auf
solchen Wahrnehmungsmessungen und nicht auf vereinfachenden Messungen der
Spitzen- oder Mittelungspegel, wie man sie bei Variationen des
LEQ-Verfahrens findet.
Signalverarbeitung, Messung und Überwachung integriert
Um die Nuancen einer Aufnahme zu erhalten und Details mit niedrigen Pegeln
herauszuarbeiten, anstatt einfach nur Pegelspitzen zu »bekämpfen«, sollten
Sie die Anwendung innovativer Dynamikprozessoren in Erwägung ziehen,
beispielsweise DXP im MD4-Algorithmus. DXP eignet sich zum Beispiel für
klassische Musik, akustische Musik, Filme und Sprachbeiträge.
Sie sollten sich jedoch stets Zeit für einen wichtigen Vergleich nehmen:
Geringe Eingriffe in die Dynamik bei normaler Lautstärke – und eine stärkere
Veränderung bei geringerer Lautstärke. Vergleichen Sie die Alternativen bei
gleicher Lautheit. Natürlich arbeiten Mastering-Toningenieure schon seit
langem so, aber inzwischen ist dieses Konzept weiterentwickelt worden. Heute
sollte die Lautheit so kalibriert werden, dass mit einer Kalibrierung
Pegelmessung, Monitoring und Signalverarbeitung aufeinander abgestimmt
werden. Das Ziel: eine bessere Soundqualität und mehr Konsistenz bei einer
Vielzahl von Ausgabeformaten. Dieser integrierte Ansatz sollte letztendlich
gewährleisten, dass die Ohren des Toningenieurs beim Mastering eine zentrale
Rolle spielen.
Quelle: http://www.tcelectronic.com
|
|